Philine Sonny

Deutschland

Philine Sonny
Album: Virgin Lake
VÖ: 03. April 2026
Label: Nettwerk

Philine Sonny nimmt sich selbst an die Hand. Nur zwei Jahre nachdem die Alt/Indie-Sängerin, Songwriterin und Produzentin aus NRW ihre von Katharsis geprägte Invader-EP veröffentlicht hat, setzt Philine ihren steinigen Weg der Selbstfindung mit Hoffnung und Heilung fort – auf ihrem fesselnden Debütalbum Virgin Lake, das am 3. April 2026 über Nettwerk erscheint.

Teilweise inspiriert von Benedict Wells’ Coming-of-Age-Roman Hard Land, den Philine 2021 erstmals las und im vergangenen Jahr während eines Aufenthalts in Norwegen erneut zur Hand nahm, zeichnet Virgin Lake ein Porträt ihres persönlichen Wachstums im Angesicht familiärer Entfremdung – und all der Emotionen, die damit einhergehen: Wut, Trauer, Schmerz, Mitgefühl und Verständnis. Philines Weg spiegelt den ihres jugendlichen literarischen Gegenstücks Sam wider, der, um familiären Problemen zu entkommen, neue Freundschaften, eine erste Liebe und eine gereiftere Perspektive auf seine Familie findet.

Dementsprechend hat Philine Virgin Lake als eine Art klangliche Erzählung in vier Phasen aufgebaut – von der drängenden, schonungslos ehrlichen Eröffnung The Band bis hin zum friedvollen Abschluss Made For You.

„Ich wollte den Weg von diesem verletzten Kind in mir nachzeichnen, das sich nach etwas sehnt und wütend auf seine Eltern ist – was berechtigt ist, aber manchmal auch ein bisschen egoistisch“, erklärt Philine. „Dann kommt die Phase des Selbstmitleids, die mit Eye For An Eye beginnt. Danach folgt der Teil, in dem ich Freude finde – das startet mit September und geht in Back Then (I Was Something) über, das ich tatsächlich mit Freund*innen geschrieben habe. Im letzten Abschnitt verschmelzen diese beiden Welten – da ist Freude, aber auch Schmerz. Es geht darum, eine Balance zu finden, mehr Verständnis für andere, aber auch für mich selbst zu entwickeln.“

Menschen in ihre Welt zu lassen, ist Philine nie leichtgefallen. Sie wuchs in Unna auf und verbrachte den Großteil ihrer Freizeit allein in ihrem Zimmer, wo sie sich selbst das Songwriting und Produzieren beibrachte. So entstanden die sieben Songs ihrer Lose Yourself-EP (2022) und dem Nachfolger Invader (2024). Zwar bezeichnet sie sich weiterhin als eher einsame Schöpferin, doch für Virgin Lake holte sie befreundete Musiker*innen ins Boot: donnernde Drums (Jannis Vernier), eindringliche Gitarrensoli (Sam Mayes, Jacob Streit und Max Barth) und gefühlvolle Streicher (Ornella Tobar Gaete) erweitern den Sound des Albums.

Philine Sonnys Innenwelt jedoch ist durchweg reich. Wie schon auf ihren vorherigen EPs verpackt sie auf Virgin Lake tiefgründig ehrliche, reflektierte Texte in magnetische Popmelodien – und das alles in Eigenproduktion. Der Opener The Band zieht sofort in den Bann: Philines kraftvolle, schwebende Stimme trifft auf treibende Rhythmen, dichte Harmonien und ein Gitarrensolo, das an The War On Drugs erinnert. In dem Song thematisiert sie Selbsthass im Kontext sich verändernder familiärer Beziehungen.

Der darauffolgende Track Outrun knüpft an die rohe Dringlichkeit von The Band an, während Philine über einem pulsierenden Beat und emotionalem Gitarrenspiel ihre Wut entfesselt. „Der Song ist ziemlich direkt“, beschreibt sie. „In diesem Teil des Albums bin ich noch in der Haltung: ‚Ihr seid verdammte Arschlöcher. Ich will nie wieder mit euch reden.‘“

Der treibende, von Streichern durchzogene Leadsingle Gatekeeper hingegen zeigt eine selbstbewusstere Philine, die sich gegen die männlich dominierte Musikindustrie behauptet. Ironischerweise schrieb sie den Song schon vor drei Jahren – doch seine Botschaft ist aktueller denn je. „Ich hatte beim Schreiben eine bestimmte Person im Kopf“, erzählt sie – den Chef eines großen deutschen Labels. „Er hat dieses wirklich furchtbare Gesicht, wie ein Bösewicht aus einem Superheldenfilm. Künstler*innen machen die ganze Arbeit, und dann gibt es diese Leute, die noch nie in unserer Position waren, die entscheiden, was mit der Musik passiert. Sie haben nie einen Song geschrieben, nie auf einer Bühne gestanden. Ich war einfach genervt davon, dass sie bestimmen, wohin das Geld fließt und wer das Recht hat, das hier beruflich zu machen.“

Nach dieser Welle aus Wut und Energie atmet Philine mit Weak Spot tief durch. Der Song verlangsamt das Tempo von Virgin Lake, ohne an emotionaler Wucht zu verlieren – sie reflektiert darin die ungesunde Tendenz, durch „Trauma Dumping“ Nähe zu erzwingen.

„Es ist eine ziemlich einseitige Art, Verbindung zu schaffen“, sagt sie. „Mir fällt auf, dass ich das tue, und ich versuche, es besser zu verstehen – um andere Wege zu finden, mit Menschen in Kontakt zu treten.“

Abschließend beschreibt Philine Virgin Lake als Momentaufnahme ihres Heilungsprozesses:
„Ich wollte dieses Album schreiben, um mich selbst durch das Erwachsenwerden und das Überwinden der Vergangenheit zu führen … um zu erkennen, dass ja, Dinge besser werden – aber, dass echter Fortschritt Zeit braucht. Manche Menschen verändern sich, andere nicht; manche kommen zurück, manche nicht – und das ist auch nicht das Ende der Welt.“

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