Wallis Bird
Wallis Bird (IRE/Berlin)
Album: I Can See Your House From Here
VÖ: 05.06.2026
Label: Bród Records
WALLIS BIRD „I Can See Your House From Here“
Um das neue Album von Wallis Bird wirklich zu verstehen, genügt ein Blick auf den Opener: „And So Turns The Wheel“. Mit einem sanften, fast himmlischen Klang öffnet die in Berlin lebende irische Singer-Songwriterin die Tür zu einer zeitlosen Folk-Ballade von über sechs Minuten Länge – ein Lied über Liebe, die über das Leben hinausreicht.
Aus einem stillen, schmerzvollen Anfang entwickelt sich eine kraftvolle, transformierende Hymne. Bird setzt sich darin mit einem der empfindlichsten Themen auseinander: dem plötzlichen Tod eines sehr engen Freundes. „Ich dachte, wir hätten mehr Zeit“, singt sie – und bringt damit ein Gefühl auf den Punkt, das sich durch das gesamte Album zieht: „Das Leben geht weiter, aber besser war es mit dir.“
I Can See Your House From Here ist Birds insgesamt achtes Album aber ihr erstes, das sie allein produziert hat. „Es geht um persönliche und kollektive Trauer“, erklärt die Künstlerin, die in ihrer Karriere einige nationale und internationale Musikpreise gewonnen hat und für ihre unfassbare Energie bekannt ist. Trotz dieser Schwere ist das Werk von einem unerschütterlichen Optimismus getragen – einer Haltung, die ihre vielfach ausgezeichnete Karriere seit jeher prägt. „Der Tod ist ein schwieriges Thema“, sagt Bird, „aber er ist auch der intensivste Spiegel des Lebens. Ich habe nicht nach Antworten gesucht – ich habe einfach hingesehen. Und mich geöffnet.“
Diese Offenheit durchzieht alle elf Songs. In „Grieving Is The Price You Pay For Love“ lässt Bird uns in ihr Zuhause eintreten, während „I’ll Take Anything“ den Abschied von der Wohnung des verstorbenen Freundes beschreibt. „Let Me Buy You Flowers“ steigert sich zu einem leidenschaftlichen Höhepunkt, während „To Love You Is To Have Done Something Good“ eine fast traumhafte, zärtliche Perspektive auf Erinnerung und Verbundenheit eröffnet.
Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Folk, Rock, Akustik und Pop – getragen von einer mutigen Verletzlichkeit, die aus jahrelanger künstlerischer Entwicklung entstanden ist. Songs wie das gospelgefärbte „Call The Healer“, das visionäre „Two Trees“ oder das eindringliche „Why Is Peace Problematic?“ verbinden persönliche Reflexion mit gesellschaftlicher Haltung. In „Hold Tight“ richtet Bird den Blick sogar in die Zukunft – mit einem Aufruf zu Mut und Widerstand gegen autoritäre Kräfte.
Resilienz und der Glaube an Gemeinschaft ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch ihr künstlerisches Leben. Schon als Kind verlor Bird bei einem Rasenmäher Unfall alle Finger ihrer linken Hand – vier davon konnten später wieder angenäht werden. Dass sie heute als Gitarristin und Performerin international gefeiert wird, steht exemplarisch für ihre außergewöhnliche Entschlossenheit und ihre besondere Verbindung zur Musik.
Live ist Wallis Bird seit Jahren für ihre mitreißende Intensität bekannt. Die Irish Times schrieb einmal: „Her energy could kickstart a whole economy.“ Diese Kraft speist sich aus derselben Quelle wie ihre Songs: aus emotionaler Offenheit, Nähe zum Publikum und dem festen Glauben an Gemeinschaft.
Die Entstehung des Albums wurde von zwei Ereignissen geprägt: dem Krieg in Gaza und dem plötzlichen Tod ihres engen Freundes Kevin Ryan, irischer Musiker und langjähriger Wegbegleiter in Berlin. Viele der Songs sind ihm gewidmet. „Kevin zu verlieren war wie der Verlust eines Rockstars“, sagt Bird. „Die Trauer hat uns teilweise isoliert. Diese Lieder sind entstanden, damit wir diese gemeinsam singen und durch diese Situation durchkommen.“
Während sie ihren persönlichen Verlust verarbeitete, verfolgte Bird zugleich die erschütternden Bilder aus Gaza. Diese Erfahrung floss unmittelbar in ihre Texte ein – etwa in „I’m Your Witness“ oder „Let Me Buy You Flowers“, das aus der Konfrontation mit Gewalt, Verlust und Ohnmacht heraus entstand. Trotz der Schwere geht es Bird dabei um Verbindung: „Wir brauchen einander – mehr denn je.“
Die Musik selbst wurde für sie zum Halt: „Sie kam zu mir wie eine stille Krankenschwester. Als ich am meisten Angst hatte, legte sie mir eine Gitarre in die Arme. Ich habe gesungen, bis ich wieder atmen konnte.“
Gemeinschaft spielt auch klanglich eine zentrale Rolle. Unterstützt wird Bird von langjährigen musikalischen Weggefährt:innen, darunter ihre Partnerin Tracey Kelliher, Aidan Floatinghome, Sam Vance-Law, Caoi De Barra und Marcus Wüst. Der Albumtitel – ein Zitat aus Kevins Texten – verweist auf diese enge Verbindung. Die Aufnahmen entstanden in einem vertrauten Umfeld, geprägt von gemeinsamen Werten und der Überzeugung: Kunst kann heilen.
Dass das Album mit „The Good Of The People“ endet, ist programmatisch: „Ich will an das Gute im Menschen glauben – und ich tue es auch.“ Trotz aller Verluste und Krisen bleibt I Can See Your House From Here ein Werk der Hoffnung. Oder, wie Wallis Bird es selbst formuliert: „Wenn wir die kommenden Jahre überstehen wollen, müssen wir mitfühlende Kunst schaffen – und etwas haben, wofür es sich zu leben lohnt.“
Live
präsentiert von rausgegangen, ByteFM, L.MAG, Kulturnews & The Pick
01.10.26 Münster – Gleis 22
02.10.26 Hamburg – Nochtspeicher
03.10.26 Hannover - Pavillon
04.10.26 Berlin – Lido
07.10.26 Dresden – Beatpol
08.10.26 Leipzig – Naumanns Tanzlokal
09.10.26 Salzburg (AT) – Rockhouse Halle
10.10.26 Wien (AT) – Flucc
11.10.26 München – Substanz
13.10.26 Freiburg – Jazzhaus
14.10.26 Mannheim – Alte Feuerwache
15.10.26 Köln – Helios 37
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